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Bundeswehr mit neuer Rekrutierungskampagne „Projekt Digitale Kräfte“

Es hört und hört nicht auf. Alle paar Monate lässt das Bundesverteidigungsministerium neue Werbung entwerfen, um junge (und mittlerweile auch ältere) Menschen davon zu überzeugen, zum Militär zu gehen. Die neueste Erfindung: das „Projekt Digitale Kräfte“. Diese ist eine Auskopplung der Werbekampagne „Mach, was wirklich zählt“, die mit ihren perfiden Slogans für Aufsehen gesorgt, aber – zum Glück – auch viel und erfolgreichen Protest hervorgerufen hat. Das Peng!-Kollektiv hat diese Kampagne der Bundeswehr jedenfalls wunderbar satirisch verarbeitet.

Auf zahlreichen Berufsfeldern hat die Bundeswehr seit Jahren Probleme, überhaupt Arbeitskräfte an Land zu ziehen. Ärztinnen und Ärzte beispielsweise sind Mangelware bei der Bundeswehr. Techniker ebenso. Da die Bundeswehr mittlerweile auch im sogenannten Cyberraum für den Krieg gerüstet sein will, sollen nun IT-ler zum Militär geholt werden. Wir dokumentieren im Folgenden einen Artikel aus der Tageszeitung jungen Welt (vom 7.April 2016) zu dieser neuen Rekrutierungsoffensive:

Zu den Waffen, Nerds
IT-Fachkräfte gesucht: Bundeswehr rekrutiert für Krieg im »Cyberspace«

Von Christian Stache

Derzeit sind 18.000 Plakate des neuen Bundeswehr-Rekrutierungsfeldzugs »Projekt Digitale Kräfte« auf Werbeflächen deutscher Städte zu sehen. Bis Mitte Mai versucht das Bundesverteidigungsministerium, »Talente und digitale Fachkräfte für den Bereich Informationstechnologie (IT)« anzuheuern. Dazu lässt es »Anzeigen in 25 Printtiteln« und Reklame auf »45 Onlineseiten mit Tagesfest- und Rotationsplazierungen« schalten. Zahlreiche Promotion-Videos und Lebensläufe aktiver Soldaten im zivilen und militärischen Dienst, vom einfachen IT-Landser bis zur Juniorprofessorin für Mensch-Maschine-Interaktion, schmücken die Internetseite der Kampagne. Wie selbstverständlich bespielt der Presse- und Informationsstab das gesamte Ensemble der »sozialen« Netzwerke und Medien. Die Gesamtkosten liegen laut Angaben der Bundeswehr bei »rund 3,6 Millionen Euro« aus dem Jahresgesamtetat 2016 für »Nachwuchswerbung« von 35,3 Millionen Euro.
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Rekrutierungs- und Propaganda-Veranstaltungen im zweiten Quartal 2016

Auch im zweiten Quartal dieses Jahres inszeniert sich die Bundeswehr nicht nur mit ihrer aktuellen Werbekampagne „Mach, was wirklich zählt“ als ganz normaler Arbeitgeber. Auch an Schulen, Messen und bei Großevents wendet sie sich gezielt an junge Menschen, die vor der Berufswahl stehen. Aus einer Kleinen Anfrage der Linksfraktion im Bundestag geht hervor, dass die Bundeswehr in Hamburg von April bis Ende Juni auf Truppenbesuche und Seminare verzichtet. Dafür stehen neben zahlreichen Messen mit dem Hamburger Hafengeburtstag (5.-8. Mai) und dem „Tag der Bundeswehr“ am 11. Juni gleich zwei Riesenevents auf dem Programm der Militärs.

Die Bundeswehr wird sich am 5. Mai an der „Großen Flaggenparade“ zum 827. Hamburger Hafengeburtstag beteiligen, sowie vom 6. bis zum 8. Mai mit einem Stand im Hamburger Stadtgebiet präsent sein.
Die Bundeswehr gibt an, bei sechs Messen und Kongressen zu werben, darunter die Messe „Vocatium“ , die Messe des Stellenwerks und „Talente Kompakt“. Im Juni wird es mit dem „Tag der Bundeswehr“ auch ein eigenes Event der Bundeswehr geben. In Hamburg beteiligt sich daran die Bundeswehruniversität mit einem Beförderungsappell. Letztes Jahr, als der „Tag der Bundeswehr“ erstmalig stattfand, nahmen das Bundesverteidigungsministerium, zahlreiche ParteipolitikerInnen und die Bundeswehrführung das Ereignis zum Anlass, um deutschlandweit mit ca. 230.000 Besuchern bei Familienausflugsstimmung Militarisierung und Krieg zu feiern. Außerdem wird sich der Musikkorps der Bundeswehr am 18. April an einem „Wohltätigkeitskonzert“ in der Laeiszhalle beteiligen.
Im Berufsinformationszentrum (BIZ) gibt es dieses Quartal laut der Antwort der Bundeswehr auf die kleine Anfrage nur eine Veranstaltung (27. Juni). Auf der Website des BIZ Hamburg sind allerdings 15 weitere Veranstaltungen zu Wehrdienst und Mannschaftslaufbahn angekündigt. Zwar ist nur der Vortrag zur Karriereberatung am 27. Juni explizit von der Bundeswehr. Aber auch wenn bei den restlichen Vorträgen keine Information zum Vortragenden zu finden sind, tragen diese Veranstaltungen dazu bei, die Bundeswehr als ganz normalen Arbeitgeber zu bewerben.
Die KarriereberaterInnen der Bundeswehr werden am 1. Juni in der Hamburger Stadtteilschule Walddörfer in der 11. Klasse anwesend sein und schulinternen Unterricht geben. Aus dem ersten Quartal wurden insgesamt mehr Vorträge von KarriereberaterInnen nachgemeldet, als in der Kleinen Anfrage im Vorhinein insgesamt bekanntgegeben worden waren. Es wird also vermutlich auch in den nächsten drei Monaten nicht bei einem Schulbesuch bleiben. Falls die Bundeswehr auch an deine Schule kommt, schreib uns an. Treten wir der Normalisierung von Militär und Krieg gemeinsam entgegen! Organisieren wir gemeinsam Widerstand!

Alle Bundeswehr-Termine im 2. Quartal im Überblick:

13.-14.04.2016 Messe TALENTE KOMPAKT
18.04.2016 Laieszhalle „Wohltätigkeitskonzert“
05.05.2016 Hafengeburtstag „Große Flaggenparade“ Überseebrücke
06.-08.05.2016 Hafengeburtstag Kofferstand Stadtgebiet
10.05.2016 Stellenwerk die Jobmesse
01.06.2016 Stadtteilschule Walddörfer 11. Klasse
06.-07-07.2016 Messe VOCATIUM
11.06.2016 Tag der Bundeswehr in Hamburg Helmut-Schmidt-Universität Hamburg
12.-13.06.2016 Ausbildungsmesse
17.06.2016 Nachwuchskongress
17.06.2016 Absolventenkongress
27.06.2016 Berufsinformationszentrum (BIZ)

BoB beim Hamburger Ostermarsch 2016

Beim diesjährigen Ostermarsch kamen in Hamburg über 1000 Leute zusammen um für den Frieden zu demonstrieren.

Das Motto lautete: Keine Bundeswehreinsätze im Ausland – Syrieneinsatz beenden! – Rüstungsexporte stoppen! – Flüchtlinge aufnehmen – Fluchtursachen bekämpfen! Das Thema Flucht und Fluchtursachen stand bei vielen Reden im Mittelpunkt. Die deutsche Beteiligung an Kriegseinsätzen, wie dem jüngsten in Syrien, wurde stark kritisiert. In zahlreichen anderen Städten protestierten bereits über das gesamte Osterwochenende viele Tausende für den Frieden und gegen die Militarisierung der deutschen Gesellschaft unter anderem durch die agressive Werbeoffensive der Bundeswehr und ihren Auftritten in öffentlichen Einrichtungen, wie Schulen. Bei der Demonstration haben wir zahlreiche Flyer verteilt und die Leute aufgerufen zum nächsten Bündnis-Treffen, am 7.4. zu kommen, bei dem sich u.a. bunte Aktivitäten für den ‚Tag der Bundeswehr‘ (13. Juni), der letztes Jahr zum ersten Mal statt gefunden hat und bei dem es einige Proteste gab, ausgedacht werden sollen.

Materialien für einen Bundeswehrbesuch an der Schule

Immer wieder wollen LehrerInnen, Eltern oder SchülerInnen aktiv werden, wenn die Bundeswehr an ihre Schule bzw. an die Schule ihrer Kinder kommt. Einige wissen leider nicht, was sie unternehmen können oder wie sie etwas unternehmen können. Daher bieten wir jetzt erste Materialien an, mit denen bei der Schulleitung gegen den Besuch von Angehörigen der Bundeswehr protestiert und mit denen ein Kind von der Teilnahme am Unterricht mit Jugendoffizieren oder WehrdienstberaterInnen befreit werden kann.

Eine Vorlage zur Schulfreistellung und einen Antrag an die Schulleitung bei einem Bundeswehrbesuch an Eurer Schule findet ihr unter „Material“.

Offener Brief an CityCards Hamburg

Hamburg 24.10.2011

CityCards Hamburg
c/o Medienpool Extra GmbH
Hasenhöhe 26
22587 Hamburg

Kopie an: Hamburger Abendblatt, Hamburger Morgenpost, die tageszeitung (taz), junge Welt, Neues Deutschland, Die Zeit, Die Welt, Spiegel, Spiegel Online, CDU Hamburg, SPD Hamburg, GAL Hamburg, DIE LINKE Hamburg, FDP Hamburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Entsetzen haben wir, das Hamburger Bündnis „Bildung ohne Bundeswehr“ (BoB), festgestellt, dass Sie offensichtlich seit einiger Zeit Rekrutierungs- und Werbematerial für die deutsche Bundeswehr in Hamburg vertreiben. Wir sind empört darüber und halten dies für unverantwortlich.
Seit einigen Jahren hat die Bundeswehr ihre Rekrutierungs- und Werbestrategie umgestellt, um ihre militärische Riten und politischen Positionen in die Gesellschaft zu tragen, neue RekrutInnen anzuwerben und Unterstützung für die Kriege der Bundesrepublik zu generieren. Dafür setzen die MilitärstrategInnen auf diverse Formate, wie z.B. TV- und Radiospots, social media-Plattformen im Internet und die von Ihnen vertriebenen Postkarten.
Die Bundeswehr ist jedoch nicht ein Werbepartner wie jeder andere genauso wenig wie sie ein Arbeitgeber wie jeder andere ist. Sie ist ein Akteur in zahlreichen Kriegseinsätzen, deren Realität – Folter, Mord, Zerstörung – nach und nach vor allem aus Afghanistan über die Medien bekannt geworden ist. Mehrere Zehntausend Opfer hat allein der Krieg in Afghanistan gefordert. Die Natur ganzer Landstriche ist auf lange Zeit zerstört worden. Die soziale Situation am Hindukusch ist heute noch schlimmer als vor Kriegsbeginn: weniger Kinder gehen in die Schulen, Frauen sind – wie immer in Kriegen – in noch größerer Zahl Opfer von Verbrechen usw.
Die Bundeswehr verletzt auch nicht nur die Menschenrechte der AfghanInnen oder das Völkerrecht, sondern sie zieht auch zunehmend deutsche Jugendliche in den Krieg, die dann als verletzte, traumatisierte, letztlich gebrochene Menschen wieder heimkehren – wenn sie überhaupt wieder lebend zurückkommen.
Für diese Verbrechen sind Sie indirekt mit verantwortlich, wenn Sie die Rekrutierungs- und Werbepropaganda der Bundeswehr jungen Menschen zugänglich machen. Die Propagandamaterialien sind Teil der Kriegsführung an der Heimatfront. Sie fördern die Militarisierung der deutschen Gesellschaft, der deutschen Außenpolitik und erleichtern die Rekrutierung für die weltweiten Kriegseinsätze.
Wir fordern Sie daher auf, den Auftrag der Bundeswehr umgehend zu kündigen und damit Ihren Beitrag für eine friedliche Welt zu leisten, die frei ist von Armeen und Kriegen.

Mit freundlichen Grüßen
Christin Bernhold
für das Bündnis „Bildung ohne Bundeswehr“