Archiv für Oktober 2020

Kein Jahr für Deutschland!

Die Bundesregierung hat im September den neuen „Freiwilligen Wehrdienst Heimatschutz“, auch bekannt als „Dein Jahr für Deutschland“ gestartet. Dabei werden freiwillige RekrutInnen zunächst an der Waffe ausgebildet. Dann stehen sie 6 Jahre bereit, um im Falle von „Naturkatastrophen oder Großschadenslagen, Pandemien und andere Ereignissen, die der Anstrengung unseres gesamten Landes mit allen Behörden, staatlichen Institutionen und der Bevölkerung bedürfen,” eingesetzt zu werden.

Offenkundig stellt sich die Frage, warum man in den den genannten Szenarien eine Ausbildung an der Waffe braucht. Die Antwort darauf ist, dass die aktuelle Pandemie dazu genutzt wird, um die Gesellschaft zu militarisieren, ein Netz der zivil-militärischen Zusammenarbeit über Deutschland zu spannen und Kriegsvorbereitung zu treffen. Die Bundeswehr reagiert mit diesem neuen freiwilligen Wehrdienst aber auch auf ihre Unfähigkeit, ihre Rekrutierungsziele zu erfüllen. Dazu passt, dass man sein „Jahr für Deutschland“ auch in der Bundesrepublik verbringt, also nicht in den Außeneinsatz geschickt wird, wie es im „normalen“ freiwilligen Wehrdienst der Fall ist.

Diese Krümel, die sie potentiellen Rekruten hinwerfen, ändern aber nichts am grundlegenden Fakt, dass die Bundeswehr eine Armee ist, die existiert um imperialistische Kriege zu führen. Diese Kriege unterstützt man, egal ob man sich nun an der Front oder an der „Heimatfront“ einsetzten lässt. Und den Charakter des Aufenthalts bei der Bundeswehr, der von Initiationsriten, Drill und Autorität geprägt ist, verändert der neue Wehrdienst auch nicht.

Wenn man wirklich den Katastrophenschutz unterstützen wollte, bedeutete das ein Ende der neoliberalen Verteilungspolitik, in der hauptsächlich die Repressionsorgane Polizei und Bundeswehr mehr Geld bekommen, während der zivile Katastrophenschutz um jeden Cent kämpfen muss. Der Bundesregierung und der Generalität geht es darum, dass in der nächsten großen Katastrophe, auf die wir uns aufgrund von ökologischer Zerstörung und systemischen sozialen Widersprüchen immer schneller zubewegen, dass möglichst viele Menschen unter ihrem Kommando nicht nur Sandsäcke schleppen, sondern im Fall der Fälle auch gegen die eigene, protestierende Bevölkerung vorgehen können.

Daher sind unsere Schlussfolgerungen:

Kein Jahr für Deutschland!
Geld in zivile Institutionen nicht in militärische Infrastruktur!