Archiv für April 2016

Kundgebung gegen Militärpräsenz beim Hamburger Hafengeburtstag!

Unter dem Slogan „Bundeswehr im Dialog“ ist das deutsche Militär auch beim diesjährigen 827. Hafengeburtstag vom 5. bis zum 8. Mai 2016 mit einem breiten Aufgebot vertreten. Donnerstag ab 14 Uhr und von Freitag bis Sonntag von 10 Uhr bis zum späten Nachmittag wirbt die Bundeswehr um Aufmerksamkeit, öffentliche Akzeptanz für Militarismus und deutsche Kriegseinsätze und um potentielle neue RekrutInnen für den Dienst an der Waffe. Wir werden das nicht tatenlos hinnehmen! Wir rufen alle Friedensbewegten, AntimilitaristInnen und AntiimperialistInnen dazu auf, sich an unserer Kundgebung am Samstag, den 7. Mai um 16 Uhr an der Überseebrücke gegen die Militärpräsenz beim Hafengeburtstag zu beteiligen.

Das militärische Veranstaltungsangebot hat das Hamburger Landeskommando oder eine andere örtliche Militärbehörde bislang noch nicht publiziert. Aus dem offiziellen Programm des Hafengeburtstags geht aber hervor, dass es denen der Vorjahre ähneln wird. Es soll an der Überseebrücke ein „Unterhaltungsprogramm“ geben, d.h. eine Bühne, auf der B- und C-Promis oder MusikerInnen, wie Fettes Brot vor zwei Jahren, ihre Solidarität mit den SoldatInnen an der Front bekunden. Auch das eigens auf dem Hafengeburtstag eingerichtete „Sonderfeldpostamt“ soll es wieder geben, damit BesucherInnen des Hafenfests Briefe in die Kriegsgebiete schicken. Natürlich sind auch KameradInnen in Uniform und VertreterInnen der Rekrutierungs- und Werbeeinheit der „Jugendoffiziere“ vor Ort, um „Einblicke in Ausbildung und Karrierechancen, Leben in der Kaserne und an Bord sowie Erfahrungen bei Auslandseinsätzen“ zu geben. Mit anderen Worten: Vor allem jungen Leuten wird erzählt, wie viel man bei der Bundeswehr verdienen kann, wie toll die Kameradschaft ist, dass man einen Führerschein machen kann und welche Abenteuer man in fremden Ländern erlebt. Ziel der Reklame: Rekrutieren, was das Zeug hält, und Unterstützung an der Heimatfront für Krieg, tote ZivilistInnen und SoldatInnen usw. Last but not least lädt das Militär auch wieder zur Waffenschau auf ihre Boote im Rahmen des „Open Ship“-Programms. Dies alles geschieht mit Unterstützung der Hamburger Landesgruppe des Reservistenverbands. Dass zumindest die Big Band der Bundeswehr dieses Jahr nicht in Hamburg aufspielt, ist ein Anhaltspunkt dafür, dass Protest auch erfolgreich sein kann. Nehmt euch die Proteste gegen das Big-Band-Konzert zum Vorbild, besucht die Bundeswehr auf dem Hafengeburtstag und zeigt ihr, dass ihr auch Party-Militarismus nicht wollt!

Bundeswehr mit neuer Rekrutierungskampagne „Projekt Digitale Kräfte“

Es hört und hört nicht auf. Alle paar Monate lässt das Bundesverteidigungsministerium neue Werbung entwerfen, um junge (und mittlerweile auch ältere) Menschen davon zu überzeugen, zum Militär zu gehen. Die neueste Erfindung: das „Projekt Digitale Kräfte“. Diese ist eine Auskopplung der Werbekampagne „Mach, was wirklich zählt“, die mit ihren perfiden Slogans für Aufsehen gesorgt, aber – zum Glück – auch viel und erfolgreichen Protest hervorgerufen hat. Das Peng!-Kollektiv hat diese Kampagne der Bundeswehr jedenfalls wunderbar satirisch verarbeitet.

Auf zahlreichen Berufsfeldern hat die Bundeswehr seit Jahren Probleme, überhaupt Arbeitskräfte an Land zu ziehen. Ärztinnen und Ärzte beispielsweise sind Mangelware bei der Bundeswehr. Techniker ebenso. Da die Bundeswehr mittlerweile auch im sogenannten Cyberraum für den Krieg gerüstet sein will, sollen nun IT-ler zum Militär geholt werden. Wir dokumentieren im Folgenden einen Artikel aus der Tageszeitung jungen Welt (vom 7.April 2016) zu dieser neuen Rekrutierungsoffensive:

Zu den Waffen, Nerds
IT-Fachkräfte gesucht: Bundeswehr rekrutiert für Krieg im »Cyberspace«

Von Christian Stache

Derzeit sind 18.000 Plakate des neuen Bundeswehr-Rekrutierungsfeldzugs »Projekt Digitale Kräfte« auf Werbeflächen deutscher Städte zu sehen. Bis Mitte Mai versucht das Bundesverteidigungsministerium, »Talente und digitale Fachkräfte für den Bereich Informationstechnologie (IT)« anzuheuern. Dazu lässt es »Anzeigen in 25 Printtiteln« und Reklame auf »45 Onlineseiten mit Tagesfest- und Rotationsplazierungen« schalten. Zahlreiche Promotion-Videos und Lebensläufe aktiver Soldaten im zivilen und militärischen Dienst, vom einfachen IT-Landser bis zur Juniorprofessorin für Mensch-Maschine-Interaktion, schmücken die Internetseite der Kampagne. Wie selbstverständlich bespielt der Presse- und Informationsstab das gesamte Ensemble der »sozialen« Netzwerke und Medien. Die Gesamtkosten liegen laut Angaben der Bundeswehr bei »rund 3,6 Millionen Euro« aus dem Jahresgesamtetat 2016 für »Nachwuchswerbung« von 35,3 Millionen Euro.
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Rekrutierungs- und Propaganda-Veranstaltungen im zweiten Quartal 2016

Auch im zweiten Quartal dieses Jahres inszeniert sich die Bundeswehr nicht nur mit ihrer aktuellen Werbekampagne „Mach, was wirklich zählt“ als ganz normaler Arbeitgeber. Auch an Schulen, Messen und bei Großevents wendet sie sich gezielt an junge Menschen, die vor der Berufswahl stehen. Aus einer Kleinen Anfrage der Linksfraktion im Bundestag geht hervor, dass die Bundeswehr in Hamburg von April bis Ende Juni auf Truppenbesuche und Seminare verzichtet. Dafür stehen neben zahlreichen Messen mit dem Hamburger Hafengeburtstag (5.-8. Mai) und dem „Tag der Bundeswehr“ am 11. Juni gleich zwei Riesenevents auf dem Programm der Militärs.

Die Bundeswehr wird sich am 5. Mai an der „Großen Flaggenparade“ zum 827. Hamburger Hafengeburtstag beteiligen, sowie vom 6. bis zum 8. Mai mit einem Stand im Hamburger Stadtgebiet präsent sein.
Die Bundeswehr gibt an, bei sechs Messen und Kongressen zu werben, darunter die Messe „Vocatium“ , die Messe des Stellenwerks und „Talente Kompakt“. Im Juni wird es mit dem „Tag der Bundeswehr“ auch ein eigenes Event der Bundeswehr geben. In Hamburg beteiligt sich daran die Bundeswehruniversität mit einem Beförderungsappell. Letztes Jahr, als der „Tag der Bundeswehr“ erstmalig stattfand, nahmen das Bundesverteidigungsministerium, zahlreiche ParteipolitikerInnen und die Bundeswehrführung das Ereignis zum Anlass, um deutschlandweit mit ca. 230.000 Besuchern bei Familienausflugsstimmung Militarisierung und Krieg zu feiern. Außerdem wird sich der Musikkorps der Bundeswehr am 18. April an einem „Wohltätigkeitskonzert“ in der Laeiszhalle beteiligen.
Im Berufsinformationszentrum (BIZ) gibt es dieses Quartal laut der Antwort der Bundeswehr auf die kleine Anfrage nur eine Veranstaltung (27. Juni). Auf der Website des BIZ Hamburg sind allerdings 15 weitere Veranstaltungen zu Wehrdienst und Mannschaftslaufbahn angekündigt. Zwar ist nur der Vortrag zur Karriereberatung am 27. Juni explizit von der Bundeswehr. Aber auch wenn bei den restlichen Vorträgen keine Information zum Vortragenden zu finden sind, tragen diese Veranstaltungen dazu bei, die Bundeswehr als ganz normalen Arbeitgeber zu bewerben.
Die KarriereberaterInnen der Bundeswehr werden am 1. Juni in der Hamburger Stadtteilschule Walddörfer in der 11. Klasse anwesend sein und schulinternen Unterricht geben. Aus dem ersten Quartal wurden insgesamt mehr Vorträge von KarriereberaterInnen nachgemeldet, als in der Kleinen Anfrage im Vorhinein insgesamt bekanntgegeben worden waren. Es wird also vermutlich auch in den nächsten drei Monaten nicht bei einem Schulbesuch bleiben. Falls die Bundeswehr auch an deine Schule kommt, schreib uns an. Treten wir der Normalisierung von Militär und Krieg gemeinsam entgegen! Organisieren wir gemeinsam Widerstand!

Alle Bundeswehr-Termine im 2. Quartal im Überblick:

13.-14.04.2016 Messe TALENTE KOMPAKT
18.04.2016 Laieszhalle „Wohltätigkeitskonzert“
05.05.2016 Hafengeburtstag „Große Flaggenparade“ Überseebrücke
06.-08.05.2016 Hafengeburtstag Kofferstand Stadtgebiet
10.05.2016 Stellenwerk die Jobmesse
01.06.2016 Stadtteilschule Walddörfer 11. Klasse
06.-07-07.2016 Messe VOCATIUM
11.06.2016 Tag der Bundeswehr in Hamburg Helmut-Schmidt-Universität Hamburg
12.-13.06.2016 Ausbildungsmesse
17.06.2016 Nachwuchskongress
17.06.2016 Absolventenkongress
27.06.2016 Berufsinformationszentrum (BIZ)