Archiv für Februar 2014

Proteste gegen Bundeswehr bei Messe „Einstieg Hamburg“ 2014

Am 21. und 22. Februar war auf der Studien- und Ausbildungsmesse „Einstieg“ in den Hamburger Messehallen auch die Bundeswehr wieder mit einem großen Werbe- und Rekrutierungsstand vertreten (s. Foto). Rund 15 Soldatinnen und Soldaten machten dort wie in den letzten Jahren trotz wiederholten Widerspruchs Reklame für den Kriegsdienst und die Einsätze, die die Bundeswehr zur Durchsetzung deutscher politischer und ökonomischer Interessen überall auf der Welt exekutiert.

Wir haben als Hamburger Bündnis „Bildung ohne Bundeswehr (BoB)“ auch dieses Mal wieder gegen den öffentlichen Auftritt der Bundeswehr protestiert. Während der gesamten Öffnungszeiten am Freitag und Samstag waren wir gemeinsam mit vielen Freundinnen und Freunden der Friedens- und Antikriegsbewegung vor Ort, haben Flyer verteilt, hunderte junge Menschen über das Treiben und die Strategien der Bundeswehr aufgeklärt und zahlreiche Gespräche mit Schüler- und LehrerInnen geführt.
Einige baten um Rat, wie sie das Thema „Bundeswehr an Schulen“ sinnvoll in ihren Unterricht einbringen könnten, ohne die eigens zur Rekrutierung und Indoktrinierung ausgebildeten Jugendoffiziere des Militärs einladen zu müssen. Andere wollten gern wissen, was man gegen solche „Besuche“ an der eigenen Schule unternehmen könne. Die Mehrheit der BesucherInnen reagierte positiv auf unsere Aktion und unsere Argumente. Das ist erfreulich, denn die Große Koalition befürwortet in ihrem Koalitionsvertrag ausdrücklich diese Praxis der Militarisierung der Bildung und Öffentlichkeit, so dass auch in dieser Regierungsperiode eher mit einer Ausweitung als mit einem Ende der Image- und Rekrutierungskampagnen zu rechnen ist.
Welches Kaliber diese haben, veranschaulicht die Titelseite des „Y-Magazins der Bundeswehr“ (Ausgabe September 2013), das auf der Messe an Jugendliche verschenkt worden ist. Darauf werden die militärischen Spezialkräfte im Stile moderner Ego-Shooter-Computerspiele als coole Rambos porträtiert (s. Foto),
ähnlich wie vor einiger Zeit in einem Werbevideo der Bundeswehr, das nach einer Welle der Empörung auf Geheiß des Bundesverteidigungsministeriums wieder von den offiziellen Internetseiten verschwand.
Die Messeverantwortlichen, vertreten durch ihre Sicherheitsbeamten und einige zuständige Kollegen, begegneten uns hingegen ziemlich ungehalten und unverhältnismäßig. Das Zeigen eines Transparents in der Nähe des Messeeingangs sollte – obgleich keine BesucherInnen behindert worden sind – dadurch unterbunden werden, dass sie die Polizei riefen. Und obwohl wir durchgängig vollkommen friedlich unsere Missbilligung der Bundeswehrpräsenz kundtaten, sprachen die Sicherheitsbeamten willkürlich gegen Einzelne Hausverbote aus – wegen „Flyer Verteilens“, wie sie uns sagten – auf öffentlichem Gelände vor den Messehallen im Rahmen eines angemeldeten Infotisches wohlgemerkt.
Für uns steht jedenfalls fest: Wenn die Bundeswehr im kommenden Jahr wieder vor Ort ist, ist auch mit uns zu rechnen.