Archiv für November 2013

Bundeswehr raus aus der Uni! Höchster Soldat im Staat kommt im Dezember

Am 4.12.2013 hält der Generalinspekteur der Bundeswehr Volker Wieker an der Uni Hamburg einen Vortrag im allgemeinen Vorlesungswesen in der
Reihe „Cyber Security – Cyber War – Cyber Peace“ zum Thema „Cyber Security – die Rolle der Bundeswehr“. (Wieker ist seit 2010 als ranghöchster Soldat der Bundeswehr militärischer Berater der Bundesregierung und für die Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung, für die Einsätze der Bundeswehr sowie für die
Bundeswehrplanung verantwortlich. Von 2008 bis 2010 war er Chef des Stabes der ISAF in Kabul) Auftritte auf Messen, an Schulen und Universitäten dienen neben der Nachwuchsgewinnung dazu, die Bundeswehr als Teil der Gesellschaft und Akteur für weltweite Sicherheit und Frieden zu etablieren.

Auch das Feld der zivil-militärischen Zusammenarbeit wird zunehmend ausgebaut. So geht etwa an Kriegsschauplätzen wie Afghanistan die Arbeit der Bundeswehr Hand in Hand mit so genannter Entwicklungshilfe ziviler Organisationen. Ein weiterer Partner auf diesem Feld sind die Universitäten als Forschungseinrichtungen im militärischen oder zumindest militärisch nutzbaren Bereich. Dieser erstreckt sich mittlerweile von den Ingenieurs- über die Natur- hin zu den Geisteswissenschaften und deckt selbstverständlich auch Felder wie Psychologie oder Informatik ab.

Das Bündnis ‚Bildung ohne Bundeswehr‘ hat die veranstaltenden Fachbereiche sowie das Uni-Präsidium aufgefordert, Wieker wieder auszuladen und die Veranstaltung nicht stattfinden zu lassen. Die Universität sollte ein Ort der unabhängigen Lehre und Forschung sein, anstatt sich für die Propagandamaschine der Bundeswehr herzugeben!

Da nicht sicher ist, dass dieser Bitte nachgegangen wird, wollen wir Widerstand gegen diese öffentliche Veranstaltung organisieren. Dazu soll es ein Treffen von Interessierten geben. Dieses findet statt: am 20.11.2013 um 19 Uhr im Café Knallhart, Von-Melle-Park 9.

Bis informieren wir jeden Mittwoch vor den Vorlesungen der Reihe vor dem Hauptgebäude der Universität Hamburg über die anstehende Veranstaltung mit Generalsinspekteur Wieker. Wir freuen uns über über Unterstützung!

Krieg ist keine Berufsperspektive. Neuerlicher Protest gegen Bundeswehr-Propaganda im Hamburger Berufsinformationszentrum

Am Montag (11.11.) hat im Berufsinformationszentrum (BIZ) der „Agentur für Arbeit Hamburg“ zum wiederholten Male eine Rekrutierungs- und Propagandaveranstaltung der Bundeswehr stattgefunden. Der seit 29 Jahren dienende Kapitänleutnant Meyer, Leiter des „Karriereberatungsbüros Hamburg“, informierte in seiner Funktion als „Karriereberater“ (früher „Wehrdienstberater“) die etwa 30 Interessenten über das Thema „Studium und Beruf – Offizier bei der Bundeswehr“ .
Dazu kam es aber erst, nachdem eine hohe Zahl von Mitarbeitern des georderten Sicherheitspersonals eine Gruppe von rund zehn AktivistInnen handgreiflich aus dem BIZ entfernt und die Polizei das Gebäude an der Kurt-Schumacher-Allee 16 umstellt hatte. Zuvor wollte der Karriereberater partout nicht auf die vor Ort gestellten Fragen eingehen, wie und wann man an Auslandseinsätzen teilnehmen könne. Gewieft sollten die konfliktbeladenen Themen umschifft und die sogenannten Attraktivitätsmerkmale der Bundeswehr, wie z.B. ein kostenloses Studium, beworben werden.
Damit sofort erkennbar wird, mit wem die „Agentur für Arbeit“ paktiert, um junge Menschen aus ihren Erwerbslosenstatistiken zu streichen – oder sie erst gar nicht darin aufnehmen zu müssen –, erschien parallel zur Werbeveranstaltung an der Fassade des BIZ ein Transparent mit der Aufschrift „Krieg beginnt hier. Kein Werben fürs Töten und Sterben.“ (s. Fotos). Zudem verteilten einige engagierte KriegsgegnerInnen an die BesucherInnen des Arbeitsamts Flyer mit aufklärenden Informationen über Sinn und Zweck der Bundeswehr-Reklame.
Der rabiate Umgang des BIZ und seines Sicherheitsdiensts mit KritikerInnen ihrer militärfreundlichen Politik der „Arbeitsagentur“ ist keine Neuigkeit. Bereits bei früheren – kleineren Protesten kam es immer wieder zu vollkommen unverhältnismäßigen Reaktionen. Man kann davon ausgehen, dass sich daran auch beim nächsten Besuch des Karriereberaters im Hamburger Berufsinformationszentrum nichts ändern wird, wenn auf Einladung von Ulf Kronshage Kapitänsleutnant Meyer am 27. Januar 2014 Menschenmaterial für die Mannschaftslaufbahnen der Bundeswehr einsammeln will.