Archiv für Juni 2013

Die Bundeswehr zu Besuch im Berufsinformationszentrum (BIZ) Hamburg

Dem eigenen Selbstverständnis nach soll das Berufsinformationszentrum (BIZ) Hamburg Informationen „für alle, die vor einer beruflichen Entscheidung stehen oder einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz suchen“, bereitstellen und „Jugendliche und Erwachsene bei der beruflichen Entscheidung unterstützen“.
Seit einigen Jahren verstehen die Verantwortlichen darunter auch, VertreterInnen der Bundeswehr einzuladen, damit diese im BIZ an der Kurt-Schumacher-Allee 16 für den Kriegsdienst Werbung machen und militärischen Nachwuchs ranschaffen können – als ob ein Einsatz an der Front in Afghanistan, am Horn von Afrika oder im Kosovo dasselbe ist wie die tägliche Lohnarbeit als Kfz-MechanikerIn, LehrerIn, KassiererIn oder KrankenpflegerIn.
Auch in diesem Jahr kam der örtliche „Karriereberater“ – bis vor kurzem hieß er noch Wehrdienstberater – ins Hamburger BIZ, um „interessierte Frauen und Männer ohne Altersbegrenzung“ für den „freiwilligen Wehrdienst“ und den Dienst als „Soldat auf Zeit“ zu „informieren“. Dabei versprechen die Militärs ein „breit gestreutes“, „abwechslungsreiches Tätigkeitsspektrum“ „in der Mannschaftslaufbahn“ bei – nicht zu vergessen – „attraktiver Bezahlung“ (siehe Foto).
 Werbeplakat der Bundeswehr und des BIZ Hamburg Übersetzt heißt das in etwas soviel wie: Man muss bei uns auf den untersten Hierarchieebenen, auf denen man nichts zu melden hat, nicht immer monoton dasselbe machen, wird ziemlich sicher in den Krieg geschickt und bekommt dafür ein wenig mehr Geld als in einer normalen Ausbildung.
Der Einladung zur Veranstaltung ins Hamburger BIZ am 25. Juni folgten etwa 20 überwiegend junge Männer, die z.T. laut eigener Auskunft von ihren ArbeitsvermittlerInnen der Agentur für Arbeit und der Jobcenter dazu aufgefordert worden sind. In den Räumlichkeiten des BIZ hingen zahlreiche Werbeplakate (s. Foto). Das Bündnis „Bildung ohne Bundeswehr (BoB)“ verteilte vor den Eingängen des BIZ Flyer, um die BesucherInnen vor der Veranstaltung über die Folgen eines Dienstes bei der Bundeswehr für sich und für die Menschen, die von Kriegen betroffen sind, zu informieren. Während einige von ihnen entgegneten, dass es sich ohnehin nur um einen Pflichttermin handele und sie gar nicht zur Bundeswehr gehen wollten, reagierten andere schockiert über die Aussichten, z.B. andere Menschen töten zu müssen.

Bundeswehrwerbung in Hamburg im Juli, August und September 2013

Aus einer aktuellen Anfrage der Bundestagsfraktion der Linkspartei gehen die Propaganda- und Rekrutierungstermine der Bundeswehr an Schulen, bei Messen, öffentlichen Anlässen, Seminaren, Berufsinformationszentren usw. für die Monate Juli, August und September (2013) hervor. In Hamburg werden die Einheit der Jugendoffiziere und die Wehrdienstberater – neumodisch „Karriereberater“ – auch wieder mehrfach eingesetzt.
Neben dem alljährlichen Werbestand bei der Konsummesse „Du und Deine Welt (21.-29.9.2013)“ richten die Militärs am 21.9. einen sogenannten Tag der Reservisten in der Hansestadt aus. Die Gymnasien Rahlstedt (24.-24.9.2013) und Meiendorf (19-23.8.2013) schicken ihre SchülerInnen auf Klassenfahrten mit SoldatInnen nach Berlin bzw. Brüssel. Am Gymnasium Buckhorn dürfen die eigens ausgebildeten Jugendoffiziere am 21.-22.8.2013 Nachwuchs anwerben und die Auslandseinsätze der Bundeswehr schön reden. Und schließlich fahren sogenannten Multiplikatoren – wie z.B. angehende LehrerInnen – vom 22.-26.7.2013 mit Militärs nach Prag.
Warum unser Bündnis diese Einsätze der „Heimatfront“ ablehnt, kannst du hier und hier nachlesen.

Neuer Flyer: Kein Werben fürs Töten und Sterben. Bundeswehrauftritte stoppen!

Die Militarisierung der Gesellschaft beschränkt sich nicht auf die Bildungsinstitutionen. Sie umfasst neben der Rekrutierung und Propaganda der eigens zu diesen Zwecken ausgebildeten Jugendoffiziere an Schulen und Hochschulen z.B. auch die Werbung für den Kriegsdienst und die Kriege mit deutscher Beteiligung an Berufsinformationszentren (BIZ), bei öffentlichen Anlässen wie dem alljährlichen Hamburger Hafengeburtstag und insbesondere bei verschiedenen Messen (in Hamburg bei den Messen Vocatium, Du und Deine Welt, Einstieg und anderen). Darüber hinaus betreiben die Militärs sogenannte Patenschaftsprogramme. Die Stadt Hamburg ist beispielsweise Patin eines Kriegsschiffes (eine Fregatte des Typs F 220), das zur Kontrolle von Handelswegen am Horn von Afrika eingesetzt wird.
Für die Imagekampagnen und die Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr hat das Bundesverteidigungsministerium in den letzten Jahren seinen Etat auf mehr als 20 Millionen Euro pro Jahr verdoppelt.
Das Hamburger Bündnis „Bildung ohne Bundeswehr (BoB)“ lehnt dieses Vordringen der Militärs in die zivilen Bereiche der Gesellschaft ab, weil es Teil der Kriege ist, die wie in Afghanistan oder in Mali von deutschen Boden für die Interessen der Unternehmen und der Bundesregierung geführt werden. Unser neues Flugblatt dient der Aufklärung und Information über diesen Prozess der Militarisierung Hamburgs.

Aachener Friedenspreis für „Schulen ohne Bundeswehr“

Wie die „tageszeitung“ vor einiger Zeit berichtete, erhalten drei Schulen, die der Bundeswehr Werbeveranstaltungen und Auftritte im Unterricht untersagen, den Aachener Friedenspreis 2013. Die Hulda-Pankok-Gesamtschule (Düsseldorf), das Robert-Blum-Gymnasium (Berlin) und die Käthe-Kollwitz-Schule (Offenbach a.M.) werden geehrt, weil sie „als erste in den Jahren 2010 und 2011 diesen Beschluss in ihren Schulkonferenzen gefasst haben“. In der Begründung für die Preisverleihung erläutert der Verein, der den Friedenspreis jährlich vergibt, die Auswahl der Schulen weiter: „Wir wollen den Mut und die Courage der Schülerinnen und Schüler, der Eltern, Lehrerinnen und Lehrer mit dem Aachener Friedenspreis 2013 würdigen und gleichzeitig ein Signal gegen den Mainstream der Militarisierung in unserer Gesellschaft setzen.“ Der Friedenspreis wird wie in jedes Jahr am 1. September – dem Antikriegstag – überreicht. Das Bündnis „Bildung ohne Bundeswehr (BoB)“ gratuliert den PreisträgerInnen an dieser Stelle. Wir hoffen, dass das Beispiel der drei Schule macht!