Archiv für Januar 2013

Gegen den Bundeswehr-Werbefeldzug am Helmut-Schmidt-Gymnasium in Wilhelmsburg

Am 21. Januar 2013 ging die Bundeswehr am Helmut-Schmidt-Gymnasium in Hamburg-Wilhelmsburg auf Nachwuchsjagd. Jugendoffiziere waren für eine Veranstaltung der Jahrgänge 11 und 12 geladen und sollten im Rahmen eines Berufseinstiegstages den Job des Soldaten schmackhaft machen. Doch ganz ungestört lief der Auftritt der Bundeswehr nicht. Noch vor Schulbeginn sammelte sich ein gutes Dutzend AntimilitaristInnen vor dem Schulgelände und protestierte gegen den Werbefeldzug der Bundeswehr.

Mit Flugblättern der Kampagne „Krieg beginnt hier!“ und des Bündnisses „Bildung ohne Bundeswehr“, die an die nach und nach eintreffenden SchülerInnen verteilt wurden, konnten auch antimilitaristische Akzente vor dem Schultor gesetzt werden. Auf einem Transparent war „Kein werben für´s sterben – Bundeswehrauftritte stoppen!“ zu lesen, auf einem andern wurde darauf aufmerksam gemacht, dass der Krieg hier beginnt. Die Reaktionen der SchülerInnen waren überwiegend positiv. Denn was die Bundeswehr an Bildungseinrichtungen verloren hat, fragen sich viele. Offenbar hat es sich rumgesprochen, dass öffentliche Auftritte des Bundeswehr immer häufiger auf Widerstand stoßen, weshalb auch die Polizei von Anfang an vor Ort war. Sie drohte den anwesenden AntimilitaristInnen mit Platzverweisen, worauf hin spontan eine Kundgebung angemeldet wurde. Die Bundeswehr selbst sollte erst am Mittag an die Schule kommen.

Öffentliche Auftritte der Bundeswehr dienen nicht nur der Nachwuchsrekrutierung, sondern sollen die gesellschaftliche Akzeptanz für Militär und Kriegseinsätze erhöhen. Das extra ausgebildete Jugendoffiziere ausgerechnet auf Schülerinnen und Schüler losgelassen werden, also bei den Jüngsten mit der Indoktrinierung begonnen wird, spricht Bände. Die Einmischung des Militärs und der Rüstungsindustrie im Bildungsbereich nimmt immer weiter zu. In einer Zeit in der die Bundeswehr weltweit im Einsatz ist – um Rohstoffe, geostrategische Positionen und den freien Warenverkehr zu sichern – soll eben auch die Akzeptanz an der Heimatfront erhöht werden. Krieg ist mittlerweile wieder Normalzustand dieser Gesellschaft geworden. Die aufdringlichen Imagekampagnen der Bundeswehr, ihr Eindringen in den Bildungsbereich und die zunehmende Verstrickung ziviler und militärischer Aufgaben sind Ausdruck einer aggressiver werdenden deutschen Außenpolitik, die auch militärisch die Interessen von Staat und Kapital durchzusetzen sucht.

Aber in vielen Städten werden die öffentliche Auftritte der Bundeswehr regelmäßig gestört. Auch in Hamburg kam es in der Vergangenheit immer wieder zu kleineren Protestaktionen, wie jetzt vor dem Helmut-Schmidt-Gymnasium in Wilhelmsburg. Es fällt den Militärs immer schwerer, sich widerspruchsfrei in Szene zu setzten. Es ist wichtig, dass der Widerstand gegen Krieg und Militarismus noch breiter wird und der Bundeswehr keine ruhige Minute mehr lässt. Wenn die Bundeswehr um Akzeptanz buhlt, müssen wir als linke AntimilitaristInnen ihr einen Strich durch die Rechnung machen. Die Werbeveranstaltung am vergangenen Montag wird leider nicht die letzte dieser Art gewesen sein – aber auch nicht die letzte wo mit Protesten zu rechnen ist! Bundeswehr raus aus den Schulen!