Offener Brief an CityCards Hamburg

Hamburg 24.10.2011

CityCards Hamburg
c/o Medienpool Extra GmbH
Hasenhöhe 26
22587 Hamburg

Kopie an: Hamburger Abendblatt, Hamburger Morgenpost, die tageszeitung (taz), junge Welt, Neues Deutschland, Die Zeit, Die Welt, Spiegel, Spiegel Online, CDU Hamburg, SPD Hamburg, GAL Hamburg, DIE LINKE Hamburg, FDP Hamburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Entsetzen haben wir, das Hamburger Bündnis „Bildung ohne Bundeswehr“ (BoB), festgestellt, dass Sie offensichtlich seit einiger Zeit Rekrutierungs- und Werbematerial für die deutsche Bundeswehr in Hamburg vertreiben. Wir sind empört darüber und halten dies für unverantwortlich.
Seit einigen Jahren hat die Bundeswehr ihre Rekrutierungs- und Werbestrategie umgestellt, um ihre militärische Riten und politischen Positionen in die Gesellschaft zu tragen, neue RekrutInnen anzuwerben und Unterstützung für die Kriege der Bundesrepublik zu generieren. Dafür setzen die MilitärstrategInnen auf diverse Formate, wie z.B. TV- und Radiospots, social media-Plattformen im Internet und die von Ihnen vertriebenen Postkarten.
Die Bundeswehr ist jedoch nicht ein Werbepartner wie jeder andere genauso wenig wie sie ein Arbeitgeber wie jeder andere ist. Sie ist ein Akteur in zahlreichen Kriegseinsätzen, deren Realität – Folter, Mord, Zerstörung – nach und nach vor allem aus Afghanistan über die Medien bekannt geworden ist. Mehrere Zehntausend Opfer hat allein der Krieg in Afghanistan gefordert. Die Natur ganzer Landstriche ist auf lange Zeit zerstört worden. Die soziale Situation am Hindukusch ist heute noch schlimmer als vor Kriegsbeginn: weniger Kinder gehen in die Schulen, Frauen sind – wie immer in Kriegen – in noch größerer Zahl Opfer von Verbrechen usw.
Die Bundeswehr verletzt auch nicht nur die Menschenrechte der AfghanInnen oder das Völkerrecht, sondern sie zieht auch zunehmend deutsche Jugendliche in den Krieg, die dann als verletzte, traumatisierte, letztlich gebrochene Menschen wieder heimkehren – wenn sie überhaupt wieder lebend zurückkommen.
Für diese Verbrechen sind Sie indirekt mit verantwortlich, wenn Sie die Rekrutierungs- und Werbepropaganda der Bundeswehr jungen Menschen zugänglich machen. Die Propagandamaterialien sind Teil der Kriegsführung an der Heimatfront. Sie fördern die Militarisierung der deutschen Gesellschaft, der deutschen Außenpolitik und erleichtern die Rekrutierung für die weltweiten Kriegseinsätze.
Wir fordern Sie daher auf, den Auftrag der Bundeswehr umgehend zu kündigen und damit Ihren Beitrag für eine friedliche Welt zu leisten, die frei ist von Armeen und Kriegen.

Mit freundlichen Grüßen
Christin Bernhold
für das Bündnis „Bildung ohne Bundeswehr“